Auslöser für den Fred hier ist eine kleine Diskussion aus einem anderen Forum, in dem ein Basser die Meinung vertritt das man ein anständiges Timing erreichen könnte ohne sich wirklich mit Rythmus zu beschäftigen.
Dazu ein ganz klares "No way!".
Diesen Fehler begehen ganz, ganz viele Musiker.
Um zu erklären wo denn nun das Problem ist (Man könnte ja meinen das solange die Musiker alle ein und denselben "Punkt" treffen alles gut wäre) also hier nun ein paar Denkanstöße und Erklärungen.
Ihr kennt bestimmt Nummern, die abartig grooven, die voll nach vorne gehen, oder die total lässig wirken.
Verantwortlich dafür ist die sogenannte "Mikrotime".
Diese kann nur entwickelt/verstanden/ausgebildet werden, wenn ein Musiker ein eigenständiges Gefühl für Time entwickelt hat. Das heißt, er muss in der Lage sein ein Tempo gna-den-los durchzuziehen. Egal was um ihn herum passiert. Wenn das nun zB der Schlagzeuger macht und der Basser nun immer einen winzigen Moment VOR dem Drummer spielt entsteht ein irre antreibendes Feeling. Nur leider gehen fast alle Schlagzeuger automatisch mit und versuchen instinktiv ihre Schläge exakt auf den Bass zu setzen. Das ruiniert den Effekt sofort.
Die Mikrotime ist etwas für das man ein Gefühl entwickeln kann, bzw muss, wenn man ambitioniert an das musizieren heran geht.
Ein guter Basser sollte in der Lage sein ein laid-back spielendes Schlagzeug auf drei Arten klingen zu lassen:
1.) Total treibend
2.) Groovig ergänzend auf demselben Punkt
3.) Völlig entspannt laid-back bis fast schon schleppend
Dasselbe gilt für treibende und auf den Punkt gespielte Drums.
Wie kann man das entwickeln?
Antwort: Soviel wie nur möglich mit Metronom und Drummachine üben.
Das fällt fast jedem erstmal richtig schwer, aber wenn man es mal gepickt hat ist es eigentlich total leicht. Selbst die schwerste Übung ist "zu kapieren", wie etwa das Metronom als "Eins-und-e" und "Drei-und-e" zu betrachten. Auch dafür kriegt man irgendwann ein Gefühl. Nur klingt es dann sofort toal besch***en wenn man keine 100%ige Time hat.
Woran ich mich immer wieder setze sind programmierte Klicks, die einfach mal für 4 Takte aussetzen.... mit der Zeit wird man immer besser darin wieder genau auf der Eins MIT dem Klick anzufangen.
Zuverlässig können das selbst Bass-Profis seltenst, aber es ist eine gute Übung. Anfangen würde ich aber unbedingt mit einfachen Übungen, 4 Schläge pro Takt, gern auch mal 8 oder 16.... dann immer wieder das Metronom für Rock/Pop/Fusion auf 1 und 3, für Jazz auf 3 und 4 stellen.
Das Ziel ist im Endeffekt erstmal zu merken das sich "eine perfekte Line" meist noch um 100% besser machen läßt. (Man versuche sich mal an Larry Graham- oder Mark King-Grooves! Wenn man das auf einen Klick genauso zum grooven bekommen will muss man sich ordentlich auf den Allerwertesten setzen)
Tatsächlich nehmen wir die Mikrotime erstmal nur unterschwellig wahr, im Sinne von "Hm, ich bin doch genau auf dem Punkt... warum groovt das bei jemand anderem mehr??? Der ist doch auch nur drauf!" Und genau das stimmt nicht.
Bei mir selber höre ich himmelweite Unterschiede wenn ich zB mal 2-3 Wochen wenig zum üben kam. Wo ich vorher in der Lage war so zu meiner Drummachine zu spielen das man dachte erst MIT Bass würde es richtig losgehen groovt plötzlich der Drumcompi um mich herum und ich bin nur schmückendes Beiwerk. OBWOHL ich eigentlich sehr exakt auf den Punkt spiele und man das durchaus aufnehmen und verkaufen könnte.
Ich kann jedem Musiker und speziell den Bassern (Wir haben in unserer Rolle da die meisten Möglichkeiten wenn wir es beherrschen) empfehlen sich da IMMER parallel drum zu kümmern.
Mit Time fängt Musik erst an! Die entscheidet ob etwas was taugt oder nicht. Vorher ist Geschraddel... und das liefern leider die allermeisten ab.
Viele Lehrer vernachlässigen ihren Schützlingen das nahezubringen... mir geht da echt der Hut hoch. Das wichtigste und das was einem wirklich der Musik näherbringt außen vor zu lassen.... verstehe ich nicht.
Da bringen Lehrer ihren Schülern Skalen bei ohne das die in der Lage sind einen Groove von einer lahmen Ente zu unterscheiden und vermitteln ihnen sie könnten bereits ein wenig Gitarre spielen nur weil sie ein paar komlexe Riffs draufzuhaben glauben. Metronom dazu und die meisten merken das sie nur am eiern sind....
Bitte liebe Leute. Wenn ihr auch der Meinung seid das man sowas nicht bräuchte... nehmt euch mal zu einer Drumspur auf und laßt beim abspielen die Drums weg. Groovt das noch richtig?? -Bei den meisten sicherlich nicht.
Das Metronom ist euer Freund... und wenn nicht solltet ihr das dringend ändern!
LG, das olle Reason